Am 1. Januar 1906 wurde Bernhard Poether geboren, dankbar schauen wir auf diesen Geburtstag vor 120 Jahren zurück. "Diesen Menschen dürfen wir nicht vergessen", forderte ein guter Freund von ihm, Dr. Ludwig Klockenbusch. Am Sonntag, dem 4. Januar 2026 feierten wir aus diesem Anlass einen Dankgottesdienst um 11.30 Uhr mit Herrn Weihbischof Dieter Geerlings. Den Text der Predigt haben wir hier hinterlegt.
Bernhard Poethers Lebenszeugnis ist auch für unsere Tage wegweisend!
Dieser Artikel von Michael Grottendieck dazu erschien am 6. Januar in der Ausgabe Münster-Hiltrup der Westfälischen Nachrichten (WN)
Poether hat die Maske des Bösen durchschaut
120. Geburtstag Bernhard Poethers
Der emeritierte Weihbischof Dieter Geerlings kommt zur Feier des 120. Geburtstages von Bernhard Poether und spricht bemerkenswert politisch.
Zur Feier des 120. Geburtstages von Bernhard Poether kam der emeritierte Weihbischof Dieter Geerlings in die St. Clemens-Kirche und hielt eine aufrüttelnde und politische Ansprache. „Das Böse begegnet uns immer maskiert und in Verkleidung“, stellte Geerlings fest. „Bernhard Poether hat die Masken des Bösen durchschaut.“
Diktatoren oder Autokraten hatten für ihr Handeln stets eine einleuchtende Begründung zur Hand. Doch nur zu oft waren die Motive ganz andere. Der Weihbischof nannte einige beim Namen.
Wer die Nachrichten am Wochenende verfolgte, konnte unschwer erahnen, dass Geerlings auch den Amerikanern nicht die Motive und Beweggründe abnimmt, die Präsident Trump für sein militärisches Eingreifen in Venezuela öffentlich geltend gemacht hat.
1939, unmittelbar nach dem deutschen Überfall der Wehrmacht auf Polen, wagte es in Bottrop ein junger Kaplan, sich für polnische Familien einzusetzen. Es hatte einige Verhaftungen polnisch-stämmiger Gemeindemitglieder gegeben. Darunter ein Familienvater, dessen Sohn als Soldat der deutschen Wehrmacht bei den Kriegshandlungen gefallen war.
Bernhard Poether besaß den Mut, zur Gestapo zu gehen und die Freilassung zu fordern. Dieses Eintreten für polnische Familien brachte ihn ins Gefängnis. ,Sich verletzbar zu machen im Einsatz für Andere, ist ein Wagnis’, erklärte Geerlings.
"Als Seelsorger mache ich zwischen Deutschen und Polen keinen Unterschied", sagte der Kaplan. Dem Vernehmungsprotokoll aus dem Herbst 1939 ist zu entnehmen, dass er sich von NS-Propaganda nicht blenden ließ: "Auch die mir bekannten Greueltaten der Polen gegenüber den Volksdeutschen haben diese meine Einstellung nicht ändern können. Ich fühle mich verpflichtet, auch die Polen heute noch seelsorgerisch zu betreuen.“
Das sei ein Bekenntnis zur Würde aller Menschen, so Geerlings und fügte unter Applaus hinzu: "Mit dem Katholischen, im Sinne von allumfassend, ist das völkische Denken nicht vereinbar.“
"Menschen wie Bernhard Poether könnten uns helfen, das Böse zurückzuweisen und das Gute stark zu machen“, sagte Geerlings. Abschließend setzte er sich für eine Seligsprechung des in Hiltrup aufgewachsenen Märtyrers ein. ,Ich bete mit Ihnen, dass er zur Ehre der Altare erhoben wird. "Unsere Zeiten haben solche Zeugen enorm nötig", sagte er, und erneut brandete Applaus auf.

