"Zwischen Verbrechern und Heiligen" heißt ein bewegender Dokumentarfilm, der von dem mutigen Eintreten des Priesters Hermann Scheipers (1913-2016) für Polendeutsche unter dem NS-Regime erzählt. Sein Engagement brachte ihn ins KZ Dachau, das er schwer gezeichnet überlebte. Hermann Scheipers und Bernhard Poether sind sich im Priesterblock begegnet.
Der Arbeitskreis Bernhard Poether lädt zum Filmabend am Dienstag, 10. März 2026 um 19:30 Uhr, ins Pfarrzentrum ein.
Letzter überlebender deutscher Priester des KZ Dachau
Hermann Scheipers war der letzte überlebende deutsche Priester des KZ Dachau. Er war einer von fast 3.000 christlichen Geistlichen, die von den Nationalsozialisten in den Jahren von 1933 bis 1945 als „Staatsfeinde“ in Dachau inhaftiert waren. Der Grund für seine Verhaftung: als junger Kaplan hatte er sich in seiner Pfarrei in Hubertusburg/Wermsdorf für Kriegsgefangene eingesetzt, wollte mit ihnen einen Gottesdienst feiern. Am 4. Oktober 1940 wurde er deshalb willkürlich verhaftet. Ohne Anklage zu erheben, inhaftierte man ihn zunächst im Gefängnis und dann im KZ Dachau. Dort wurde Scheipers zum Häftling Nr. 24255.
Unter Lebensgefahr hielt seine Zwillingsschwester Anna in den folgenden Jahren den Kontakt zu ihrem inhaftierten Bruder, schmuggelte Briefe, Lebensmittel und Medikamente ins Lager. 1942 rettete sie ihn und viele weitere Priester durch eine mutige Intervention beim SS-Reichssicherheitshauptamt in Berlin vor dem Abtransport als "nicht arbeitsfähig" aus dem Invalidenblock des KZ Dachau in die NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz.
Flucht auf dem „Todesmarsch“
Am 27. April 1945, zwei Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch amerikanische Streitkräfte, gelang Scheipers auf einem „Todesmarsch” die Flucht in die Freiheit. Schon 1946 kehrte er ins Bistum Meißen zurück, wo er bald mit dem SED-Regime in Konflikt geriet.
Scheipers wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg im heutigen Bistum Dresden-Meißen als Seelsorger in Radebeul, Berggießhübel, Dresden-Johannstadt, Freital, Wilsdruff und Schirgiswalde. In der Schirgiswalder Pfarrei Mariä Himmelfahrt war er von 1960 bis 1983 Pfarrer. 1983 trat er in den Ruhestand und kehrte in sein Heimatbistum Münster zurück.
Bis ins hohe Alter berichtete Prälat Scheipers vor Schulklassen und bei Bildungsveranstaltungen von seinen Erlebnissen unter dem Hitler-Regime und im SED-Staat. Vortragsreisen führten ihn nach Spanien und in die USA, ebenso war er nach Frankreich und in die Niederlande eingeladen.
Vicarius Cooperator in Münster (Amelsbüren) St. Sebastian
1983 kehrte Scheipers als Vicarius Cooperator in Münster (Amelsbüren) St. Sebastian in sein Heimatbistum zurück. 1984 wurde er emeritiert. 1990 ging er als Pfarrer emeritus nach Ochtrup St. Lambertus. 2003 wurde er zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt und feierte 2007 seine Gnadenprimiz, den 70. Jahrestag seiner Priesterweihe.
Am 2. Juni 2016 ist Prälat Hermann Scheipers im Alter von 102 Jahren in seiner Geburtsstadt Ochtrup verstorben.
