Zeitzeugin erlebte die Festnahme von Kaplan Poether mit
WN Ausgabe Hiltrup vom 30. August 2025; von Michael Grottendieck
Am 22. September 1939 erlebte sie als junges Mädchen, wie die Gestapo den in Hiltrup aufgewachsenen Kaplan Bernhard Poether verschleppte. Wie jetzt bekannt wurde, ist Auguste Block am 17. August im Alter von 98 Jahren in Lastrup im Landkreis Cloppenburg gestorben.
Das damals zwölfjährige Mädchen verbrachte im September 1939 ihre Sommerferien in Bottrop und wohnte bei ihrem Onkel im Pfarrhaus von St. Joseph. Das erzählte sie im Herbst 2019 anlässlich des 80. Jahrestages der Festnahme von Kaplan Poether.
Kaplan Poether sollte nie wieder auf freien Fuß kommen. Nach Stationen im Gefängnis Bottrop und dem KZ Sachsenhausen nahe Berlin kam er im April 1941 in das Konzentrationslager Dachau. Dort starb er am 5. August 1942 völlig entkräftet durch Hunger, Krankheit und Zwangsarbeit.
Gegen 8.15 Uhr klingelte es. Zwei Männer in langen Mänteln standen vor der Tür. Sie stellten sich nicht vor, sondern sagten nur, sie wollten Herrn Poether sprechen. Sie sei die Treppe hochgesaust, um den Kaplan zu holen.
Bernhard Poether sei sehr blass gewesen. Er habe genau gewusst, was auf ihn zukommen werde. Er hatte sich für die Rechte seiner Gemeindemitglieder eingesetzt. Vor allem für polnischsprachige Gemeindemitglieder, die nach Kriegsausbruch verhaftet worden waren. Für deren Freilassung hatte sich Kaplan Poether persönlich bei der Gestapo eingesetzt.
„Sag Deinem Onkel, sie haben mich geholt“, das waren die letzten Worte, die das Mädchen von Kaplan Poether hörte. Vergessen hat Auguste Block diesen Tag nie. „Ich muss immer wieder daran denken. Es war eine so unheimliche Atmosphäre.“
Ihr Sohn berichtete, seine Mutter habe sich tatsächlich bis zu ihrem Lebensende dafür eingesetzt, die Erinnerung an Kaplan Poether lebendig zu halten. Vor sechs Jahren, ihrem letzten öffentlichen Auftritt in Bottrop, wünschte sie, bereits im Rollstuhl sitzend, „viel Glück im Kampf für die Seligsprechung“.

